"Werrablick" - Skizze, ursprünglicher Entwurf und finale Version
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Warum der “Werrablick” fast gescheitert wäre – mehrfach

Der “Werrablick”: Ein wunderschöner Aussichtspunkt bei Hannoversch Münden in Südniedersachsen (eigentlich heißt er “Werratalblick”, aber da hatte sich bei mir schon “Werrablick” eingebrannt).

Ich bin begeistert von Freiheit und Weite und fühle mich gleichzeitig zwischen Hügeln, Wäldern und Gewässern zu Hause. Dieser Ort bietet all das: Geborgenheit und Weite in einem. 

Diese Gefühle wollte ich nachbilden und so sollte der Werrablick mein erstes einer realen Landschaft nachempfundenes Bild werden. Es ist außerdem das erste Motiv, das du personalisieren kannst! Mehr dazu hier.

Auf dem Weg dahin kam ich allerdings zwei Mal an den Punkt, an dem ich das Bild fast zur Seite gelegt und aufgegeben hätte. Bin ich froh, dass ich es nicht getan habe!

Lies hier, wie es dazu kam und wie ich dann doch weitergemacht habe.


Diverse Skizzen: Es geht um Vereinfachung


Da ich keine fotorealistische Zeichnerin bin, war klar, dass das Werk etwas abstrakter würde, sich mehr auf Form und Farbe konzentrieren, als auf die einzelnen Details. 

Ich begann, die wichtigsten Formen auf Papier zu übertragen und merkte schnell, dass ich immer noch zu detailverliebt unterwegs war. So brauchte es mehrere Versuche, bis schließlich nur die für mich wesentlichen Merkmale des Werrablicks auf Papier gebannt waren. Ein spannender Prozess, den ich selbst sehr neugierig beobachtete und es störte mich tatsächlich gar nicht, dass es mehrere Entwürfe brauchte, bis es passte. Das ist auch nicht immer der Fall, aber hier war ich sehr entspannt. So weit, so gut. 

"Werrablick" Skizze
„Werrablick“ Skizze
"Werrablick" Skizze Detailaufnahme
„Werrablick“ Skizze Detailaufnahme


“Scheitern” die 1.: Die Farben passen nicht zum angestrebten Gefühl


Dann ging es an die Farbgebung. Eine Farbe für jede Fläche, das würde den abstrakten Stil unterstreichen. Also begann ich fröhlich und war guter Dinge, bis ich merkte, dass sich das Bild in eine Richtung entwickelte, die mir gar nicht zusagte. Die Farben an sich waren schön und die Flächen mit dem Pinsel gut ausgemalt, aber insgesamt war es viel zu dunkel. Es strahlte eine Schwere aus, die nicht zu dem Gefühl von Freiheit und Weite passte, die ich bei der Aussicht empfunden hatte. Oh nein! Was nun? Ändern konnte bzw. wollte ich es nicht mehr, also blieb nur, neu anzufangen. 

Ursprünglicher "Werrablick" Farbgebung
Ursprünglicher „Werrablick“ Farbgebung
Ursprünglicher "Werrablick" Detailaufnahme Farbgebung
Detailaufnahme Farbgebung
Ursprünglicher "Werrablick" - Detailaufnahme Himmel
Detailaufnahme Himmel


Neuer Versuch: Was ist wirklich wichtig?


Das musste ich kurz verdauen. Natürlich hätte ich es mir gerne erspart, noch einmal von neu anzufangen. Doch es musste so viel geändert werden, dass es nicht anders ging. Durch die vielen Entwürfe hatte ich immerhin Übung bei dem Motiv, so war die Skizze schnell erneut aufs Papier gebracht. 

Ich überlegte, wie der “Werrablick” aussehen sollte. Was war mir wichtig an dem Motiv? Weite und Freiheit. Naturverbundenheit. Zuversicht. Es brauchte definitiv hellere Farben und ich wollte es noch freier, noch abstrakter gestalten. Obwohl ich das flächige Ausmalen aus dem ersten Versuch mochte, wollte ich mich nicht sklavisch an die vorskizzierten Linien halten müssen. Statt Pinsel kam nun also das Malmesser zum Einsatz, mit dem man gröber und freier arbeiten kann

Ich mischte einen erdfarbenen, natürlichen Unterton an, der gut zu allen anderen Farben passen würde und verteilte ihn in sehr groben Bewegungen auf dem Papier. Dabei führte ich das Malmesser so, dass die Linienführung oder “Ausrichtung” der späteren einzelnen Farbflächen bereits erkennbar war. Ergebnis war ein großes Blatt mit bräunlicher Farbe und einem wilden Muster.

Über den Braunton kam nun die eigentliche Farbgebung. Ebenfalls in sehr groben Zügen fuhr ich die bereits angedeuteten Flächen nach: Dunkleres Grün für den Wald im Hintergrund, sehr helles Grün für die Wiesen am Flussufer und Gelb für die bewaldeten Hügel im Vordergrund. Helles Blau für den Himmel. 

Nicht unbedingt naturgetreue Farben, aber das macht nichts – darum sollte es gar nicht gehen. Die Farben waren intensiv und leuchteten, das war das Wichtige! Da alles sehr grob aufgetragen war, schien der natürliche Braunton überall durch und gab dem Bild so Stabilität und Ruhe.

"Werrablick" Farbstudie brauner Untergrundton
Neuer „Werrablick“ Farbstudie brauner Untergrundton
Neuer "Werrablick" Detailaufnahme Farbgebung
Neuer „Werrablick“ Detailaufnahme Farbgebung (diese tolle Struktur durch das Malmesser!)


Ein violetter Fluss?


In einem Punkt stellte mich die Farbgebung dann doch vor eine Herausforderung. Der Fluss! Welche Farbe sollte er haben? Normalerweise würde ich Flüsse blau malen, in der Ursprungsversion war er blau-grau. Aber das passte nicht. Blau war schon der Himmel und Grau kam gar nicht infrage. Es sollte eine andere Farbe sein. Also überlegte ich, wie ich ihn gerne malen würde, wenn ich es mir frei aussuchen könnte (kann ich ja, fiel mir dann ein 🙂 ) und nicht an die Realität gebunden war (was ich ja auch nicht war). Vor meinem Auge entstand ein tiefes, dunkles Violett. Ja! Das war es! Ein violetter Fluss? Ich brauchte etwas, um mich daran zu gewöhnen, aber das war einfach die Farbe. Ich probierte verschiedene Mischungen aus, bis ich die richtige gefunden hatte und wie herrlich war es, den violetten Fluss zu malen!

Neuer "Werrablick" Detailaufnahme Farbgebung violetter Fluss
Der violette Fluss!
"Werrablick" Farbstudien Violett- und Grüntöne
Farbstudien Violetttöne I
"Werrablick" Farbstudien Violetttöne
Farbstudien Violetttöne II


“Scheitern” die 2.: So kurz vorm Ziel!


Einige Tage später wollte ich noch einmal mit einer dünnen Schicht Weiß über das Werk gehen, weil es mir noch immer zu dunkel war. Gedacht, getan und: Es sah schrecklich aus! Oh Gott, es war furchtbar, der leuchtende Effekt der Farben war dahin (eigentlich nicht sehr überraschend), denn das Weiß war nicht der dünne Schleier, den ich beabsichtigt hatte, sondern mehr eine solide Wand über den Farben. Ich war so unglücklich! Das schöne Bild! 

Was nun? Nochmal anfangen? Ich war verzweifelt und, ehrlich gesagt, auch tief beleidigt. Es war fast fertig! Wie konnte das Bild es wagen, jetzt so auszusehen! Ich wollte nicht nochmal anfangen, aber wusste mir keinen anderen Rat. 

Mein Mann meinte: “Geh doch einfach nochmal mit den Farben drüber”, was ich von oben herab abbügelte. Es würde ja eh nichts bringen. How little did I know … In der ersten großen Frustration legte ich das Bild zur Seite und dachte: “Gut, das war’s dann halt.”

Einige Tage vergingen, die Verbitterung blieb, aber die Emotionen waren nicht mehr so stark wie anfangs. Langsam freundete ich mich mit der Idee an, vielleicht doch nochmal mit den Farben über die weiße Wand drüberzugehen – zu verlieren hatte ich schließlich nichts. Wenn es nicht klappte, würde ich eben doch nochmal von vorne beginnen. 

Und siehe da – es klappte ausgezeichnet! Das Weiß schien von unten durch die neu aufgetragenen Farben durch und so erzielte ich genau den Effekt, den ich mir gewünscht hatte. Halleluja! Der “Werrablick” war fertig und ich so stolz und glücklich. Ich konnte es kaum fassen – so leicht war es gewesen und fast hätte ich in meiner ersten starken Verzweiflung dieses schöne Motiv aufgegeben.

Nach wie vor bin ich begeistert von der Farbgebung und der freien, groben Malweise des “Werrablicks” – ich genieße den Anblick so sehr!  

Neuer "Werrablick" Farbgebung
Neuer „Werrablick“ Farbgebung


Diese Erfahrung zeigte mir wieder einmal, dass es sich lohnt, dranzubleiben und nicht direkt aufzugeben, wenn etwas schief läuft. Auch nicht, wenn man schon beim zweiten oder dritten Versuch ist. Eine Pause tut meistens gut und Ideen von außen auch, wenn man selbst nicht mehr weiter weiß. Und oft geht es dann nach ein paar Stunden / Tagen / Wochen viel leichter voran.

So steht der “Werrablick” für mich persönlich nicht nur für Freiheit, Weite und Naturverbundenheit, sondern besonders auch für das Nicht-aufgeben und keine falsche Scheu vor Perspektivwechseln zu haben.


Auf das Dranbleiben!

Annika

PS: Der „Werrablick“ ist ein personalisierbares Motiv. Du kannst es individuell anpassen: Mit einem speziellen Schriftzug, Initialen, einem Datum oder frei wählbarem Text. Ein ideales Geschenk für dich selbst oder eine besondere Person! Mehr Infos dazu findest du hier oder schreib mir direkt eine E-Mail 🙂

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